Steiermark · Wein News

Winzerinnen im Rampenlicht: Weibliche Handschrift als Markenkern

Auf Weinmessen und in Fachmedien taucht eine Kategorie immer öfter eigenständig auf: die besten Winzerinnen des Landes. Was nach einem Trendthema klingt, ist für Weingüter mit einer Frau an der Spitze eine echte Chance, wenn die eigene Geschichte im Marketing klar erzählt wird statt nebenbei mitzulaufen.

Wer durch aktuelle Weinmagazine blättert, stösst zunehmend auf eigene Rubriken zu Winzerinnen, Porträts, Rankings, Interviewreihen. Für viele Betriebe ist das kein neues Thema, Frauen standen dort schon immer im Weinberg und im Keller. Neu ist, dass die Öffentlichkeit diesem Umstand jetzt bewusst Raum gibt. Für das eigene Marketing lohnt sich ein zweiter Blick darauf, was das konkret bedeutet.

Warum das Thema gerade jetzt an Fahrt aufnimmt

Fachmedien beobachten seit einigen Jahren, dass immer mehr Frauen Weingüter leiten, als Nachfolgerin, als Quereinsteigerin oder gemeinsam mit dem Partner am Betrieb. In vielen Familienbetrieben ist das gar nichts Neues, die Mutter oder Grossmutter stand oft ebenso im Keller wie der Mann, wurde nach aussen aber selten genannt. Was sich ändert, ist die Sichtbarkeit. Weinmedien schaffen eigene Formate dafür, und Konsumenten interessieren sich zunehmend dafür, wer tatsächlich hinter einer Flasche steht. Für Weingüter heisst das: eine Geschichte, die bisher vielleicht am Rand erzählt wurde, kann jetzt zum eigenständigen Kapitel werden.

Die eigene Perspektive als Unterscheidungsmerkmal

In einem Markt, in dem sich viele Betriebe geschmacklich und optisch ähneln, zählt jede echte Besonderheit. Wenn die Winzerin eine andere Ausbildung mitbringt, aus einer anderen Weinregion stammt, oder im Keller bewusst andere Entscheidungen trifft als der Vater oder Grossvater vor ihr, ist genau das eine eigene Geschichte wert. Dabei geht es nicht darum, ein Etikett wie "Frau macht Wein" auf die Marke zu kleben. Es geht darum, die tatsächliche Handschrift sichtbar zu machen. Welche Weinstile bevorzugt sie, welche Ausbaumethoden setzt sie um, wofür steht der Betrieb unter ihrer Leitung. Wie man diese Art von Geschichte grundsätzlich aufbaut, beschreibt der Artikel Storytelling im Weinmarketing ausführlich.

Wo diese Handschrift im Betrieb sichtbar wird

Eine gute Perspektive nützt wenig, wenn sie nur im Kopf bleibt. Sie gehört an mehrere Stellen im Betrieb, konsistent und ohne Widerspruch zueinander.

  • Website, Über-uns-Seite: Wer trifft heute die Entscheidungen, wie kam es dazu
  • Etikett und Rückenetikett: kurzer Hinweis auf die Person hinter dem Wein
  • Vinothek und Verkostung: persönliche Ansprache statt allgemeiner Verkaufssätze
  • Social Media: echte Einblicke aus dem Weinberg und dem Keller, nicht nur Produktfotos
  • Presse- und Interviewanfragen: aktiv annehmen statt aus Zurückhaltung abzulehnen

Vorsicht vor der Klischee-Falle

Beim Thema Winzerinnen schleichen sich schnell Klischees ein: elegant, filigran, sanft, als wäre das die einzige mögliche Handschrift einer Frau am Weingut. Solche Zuschreibungen wirken auf Dauer flach und werden der tatsächlichen Arbeit im Keller nicht gerecht. Wer schwere, kraftvolle Rotweine macht oder radikal auf Naturwein setzt, sollte genau das erzählen, unabhängig davon, ob ein Mann oder eine Frau den Betrieb führt. Respekt zeigt sich darin, die Person und ihre Entscheidungen ernst zu nehmen, nicht darin, ein Rollenbild zu bedienen.

Die Winzerin ist keine Marketingfigur. Sie ist die Person, die tatsächlich im Weinberg und im Keller entscheidet. Genau das gehört erzählt, nicht mehr und nicht weniger.

Wie das in der Praxis aussehen kann

Besonders greifbar wird das Thema bei Hofübergaben, wenn eine Tochter oder Schwiegertochter den Betrieb übernimmt und dabei eigene Akzente setzt. Statt die Übernahme nur intern zu regeln, lohnt es sich, diesen Moment auch nach aussen zu tragen, mit einer klaren Botschaft dazu, was bleibt und was sich verändert. Mehr zu diesem Übergang und wie er marketingseitig genutzt werden kann, steht im Artikel Hofübergabe als Neustart. Auch bei Verkostungen zahlt sich die persönliche Präsenz aus. Wenn die Winzerin selbst am Tisch steht und aus erster Hand erzählt, warum ein Wein so geworden ist, bleibt das bei Gästen deutlich länger hängen als jede Broschüre.

Social Media und Pressearbeit gezielt nutzen

Instagram und ähnliche Kanäle eignen sich besonders gut, um die eigene Perspektive laufend sichtbar zu machen, ohne dass daraus eine grosse Kampagne werden muss. Kurze Einblicke aus dem Arbeitsalltag, ehrliche Kommentare zu einem schwierigen Jahrgang, oder ein einfaches Foto beim Rebschnitt sagen mehr als ein durchgestyltes Produktbild. Wie das konkret aufgebaut wird, zeigt der Artikel Instagram für Winzer. Auch bei Presseanfragen lohnt es sich, aktiv zuzusagen statt aus Zurückhaltung abzuwinken. Ein Porträt in einem regionalen Weinmagazin bringt oft mehr Reichweite und Glaubwürdigkeit, als es eine bezahlte Anzeige je könnte.

Netzwerke und Auszeichnungen als Rückenwind

Neben den redaktionellen Rubriken entstehen auch immer mehr Netzwerke, Verbände und Auszeichnungen, die sich gezielt an Winzerinnen richten. Wer dort mitmacht, bekommt nicht nur Sichtbarkeit in der Fachpresse, sondern auch Austausch mit anderen Betrieben, die ähnliche Fragen beschäftigen. Eine Nominierung oder ein Preis ist dabei kein Selbstzweck, er liefert aber einen konkreten Anlass, die eigene Geschichte noch einmal neu zu erzählen, in einer Pressemitteilung, auf der Website oder in einem Newsletter an bestehende Kunden. Wichtig ist, solche Anlässe wirklich zu nutzen und nicht nur ein Logo auf die Startseite zu stellen. Wer erklärt, warum die Auszeichnung passt und was dahinter steckt, holt aus dem Anlass deutlich mehr heraus als eine reine Erwähnung.

Fazit

Dass Weinmedien den besten Winzerinnen des Landes eigene Rubriken widmen, ist kein Grund für ein aufgesetztes Marketingthema. Es ist eine Einladung, eine Geschichte, die im Betrieb oft schon lange existiert, endlich klar und konsistent zu erzählen. Wer die eigene Handschrift ehrlich zeigt, auf der Website, am Etikett, in der Vinothek und im Gespräch, gewinnt genau das Vertrauen, das am Ende den Unterschied macht zwischen einer Flasche im Regal und der Flasche, die tatsächlich gekauft wird.

Häufige Fragen

Warum werden Winzerinnen im Weinmarketing gerade jetzt so sichtbar?

Fachmedien beobachten seit einigen Jahren, dass immer mehr Frauen Weingüter führen, als Nachfolgerin, als Quereinsteigerin oder gemeinsam mit dem Partner. Neu ist vor allem, dass Weinmedien dieser Rolle jetzt eigene Rubriken widmen und damit ein Thema aufgreifen, das in vielen Betrieben längst Alltag ist.

Muss ich als Winzerin bewusst "weiblich" auftreten, um davon zu profitieren?

Nein. Es geht nicht darum, ein Etikett aufzukleben, sondern darum, die eigene Handschrift, die eigenen Entscheidungen und die eigene Sichtweise auf den Betrieb ehrlich sichtbar zu machen. Aufgesetzte Rollenbilder wirken schnell unglaubwürdig, die eigene Perspektive dagegen überzeugt.

Wie kann ein Weingut die Perspektive der Winzerin gezielt im Marketing einsetzen?

Am wirksamsten ist es auf der Website in der Über-uns-Seite, auf Social Media in Gesprächston statt Hochglanzsprache, sowie im persönlichen Kontakt bei Verkostungen und in der Pressearbeit. Wichtig ist, dass Website, Social Media und Gespräch am Hof dieselbe Geschichte erzählen.

Sie wissen nicht, wie Sie diese Geschichte greifbar machen sollen?

Im kostenlosen Strategiegespräch arbeiten wir gemeinsam heraus, welche Perspektive Ihr Weingut wirklich besonders macht.

Strategiegespräch anfragen