Steiermark · Wein News

Burnout in der Hotellerie, Strukturproblem statt Charakterproblem

In Folge 15 von „Der letzte Schluck zum Feierabend" sprechen Michael Gehring und ich darüber, dass Burnout in stressigen Branchen selten an einzelnen Personen liegt, sondern an den Strukturen, in denen sie arbeiten. Dort ging es vor allem um die Hotellerie. Für Winzer ist das Thema genauso relevant, nur mit anderen Ursachen für die Überlastung.

„Der hält das schon aus" ist ein Satz, den man in Familienbetrieben oft hört, über den Senior, die Betriebsleiterin, den Junior, der Weinbau und Vermarktung gleichzeitig stemmt. Genau diese Haltung macht aus einem organisatorischen Problem ein persönliches, und genau das war der Kernpunkt der Folge.

Warum Weinbaubetriebe strukturell besonders anfällig sind

Ein Weingut hat naturgegeben Saisonspitzen, die sich nicht verschieben lassen. Lese, Kellerarbeit und Vermarktung fallen oft in überlappende Zeiträume, und in vielen Betrieben trägt eine kleine Zahl von Personen, häufig aus derselben Familie, mehrere Rollen gleichzeitig. Landwirtschaft, Verkauf, Buchhaltung, Social Media, Kundenkontakt. Wenn dazu noch ein Generationenwechsel läuft, bei dem alte und neue Verantwortung parallel getragen werden, entsteht eine Dauerbelastung, die nichts mit individueller Belastbarkeit zu tun hat.

Strukturen statt Durchhalteparolen

Die Antwort auf strukturelle Überlastung ist selten mehr Motivation, sondern klarere Aufgabenteilung. Wer im Betrieb für was zuständig ist, welche Aufgaben zeitlich wirklich parallel laufen müssen und welche verschoben oder abgegeben werden können, das sind Fragen, die sich vor der nächsten Saison beantworten lassen, nicht mittendrin. Auch die Vermarktung selbst gehört auf den Prüfstand: Wer über Wochen jede Instagram-Story, jede Verkostung und jeden Ab-Hof-Verkauf allein stemmt, baut sich eine Struktur, die auf Dauer nicht trägt.

Wer ausbrennt, hat selten zu wenig Willen. Er hat zu viele Rollen, die eigentlich auf mehrere Schultern gehören.

Was das für Ihren Familienbetrieb bedeutet

  • Prüfen Sie vor der nächsten Saison, welche Aufgaben sich zeitlich tatsächlich überschneiden, und wo Sie sie entzerren können
  • Verteilen Sie Vermarktung und operative Arbeit bewusst auf mehrere Personen, statt sie an einer Person zu belassen
  • Klären Sie im Generationenwechsel früh und konkret, wer welche Verantwortung wann übernimmt, statt es offen zu lassen

Folge 15 vollständig hören

Die vollständige Episode mit Michael Gehring und mir, inklusive der Hotellerie-Perspektive auf Burnout, gibt es auf Spotify und den anderen gängigen Plattformen. Eine ausführliche Einordnung aus Sicht der Hotellerie finden Sie im Originalartikel auf hotelsuccess.cc/podcast, der Hauptseite unseres gemeinsamen Podcasts.

Wie ist die Arbeit in Ihrem Betrieb verteilt?

Im kostenlosen Strategiegespräch schauen wir gemeinsam auf Struktur und Aufgabenteilung in Ihrem Weingut.

Strategiegespräch anfragen