Steiermark · Wein News

Fachkräftemangel oder Bewerbungsfehler auf beiden Seiten?

In Folge 10 von „Der letzte Schluck zum Feierabend" sprechen Michael Gehring und ich über den vielzitierten Fachkräftemangel und die Frage, wie viel davon tatsächlich mit Fehlern im Bewerbungsprozess zu tun hat, auf Arbeitgeber- wie auf Bewerberseite. Für Winzer steckt darin eine unbequeme, aber nützliche Frage: Liegt der Personalmangel am Betrieb wirklich nur am Markt, oder auch daran, wie das Weingut sich als Arbeitgeber zeigt?

Der Begriff Fachkräftemangel wird schnell wie ein Naturgesetz behandelt, gegen das kein Betrieb etwas ausrichten kann. Das stimmt so pauschal nicht. Gerade kleine und mittlere Weingüter haben oft mehr Einfluss auf ihre eigene Attraktivität als Arbeitgeber, als ihnen bewusst ist, weil sie diesen Hebel schlicht nie bewusst genutzt haben.

Die Stellenausschreibung als erste Marketing-Maßnahme

Eine Stellenausschreibung ist im Grunde nichts anderes als ein Marketing-Text, nur mit einer anderen Zielgruppe. Trotzdem wird sie in vielen Betrieben mit den immer gleichen Floskeln gefüllt: dynamisches Team, abwechslungsreiche Tätigkeit, junges Unternehmen. Solche Sätze sagen nichts über das eigentliche Weingut aus und wecken kein echtes Interesse. Wer stattdessen konkret beschreibt, wie ein Arbeitstag am Weingut aussieht, was den Betrieb besonders macht und wen er wirklich sucht, hebt sich sofort von der Masse ab.

Warum viele Weingüter ihre eigene Attraktivität unterschätzen

Ein Weingut hat gegenüber vielen anderen Arbeitgebern echte Stärken: Naturnähe, Saisonalität mit klarem Rhythmus, oft familiärer Umgang, ein Produkt, mit dem sich Mitarbeiter identifizieren können. Diese Stärken werden aber selten aktiv kommuniziert, weil sie für den Betrieb selbst so selbstverständlich sind, dass niemand auf die Idee kommt, sie zu erwähnen. Genau das ist der Fehler: Was für den Betrieb Alltag ist, kann für eine Bewerberin genau der Grund sein, sich zu bewerben. Diese eigene Geschichte sichtbar zu machen, ist ebenso Storytelling wie die Geschichte, die ein Weingut über seinen Wein erzählt. Mehr dazu im Blogartikel Storytelling im Weinmarketing.

Ehrlichkeit statt Werbesprache

Der zweite Teil der Folge betrifft die Bewerberseite: Auch dort passieren Fehler, unvollständige Unterlagen, unrealistische Erwartungen, fehlende Vorbereitung auf das Gespräch. Für Weingüter heißt das im Umkehrschluss, dass ein klar strukturierter, transparenter Bewerbungsprozess selbst schon ein Qualitätsmerkmal ist. Wer offen kommuniziert, was der Job wirklich bedeutet, auch die anstrengenden Wochen zur Lese, spart sich spätere Enttäuschung auf beiden Seiten.

Eine ehrliche Stellenausschreibung ist die erste Führungsaufgabe im Bewerbungsprozess, nicht die letzte.

Wie Sie als Weingut attraktiver werden

  • Ersetzen Sie Floskeln in der Stellenausschreibung durch konkrete Beschreibungen des Arbeitsalltags
  • Machen Sie die echten Stärken Ihres Betriebs als Arbeitgeber sichtbar, nicht nur die Stärken als Weinproduzent
  • Kommunizieren Sie auch die anstrengenden Phasen des Jahres ehrlich, das schafft Vertrauen statt Frust

Folge 10 vollständig hören

Die vollständige Episode mit Michael Gehring und mir gibt es auf Spotify und den anderen gängigen Plattformen. Eine ausführliche Einordnung aus Sicht der Hotellerie und Gastronomie finden Sie im Originalartikel auf hotelsuccess.cc/podcast, der Hauptseite unseres gemeinsamen Podcasts.

Wie präsentiert sich Ihr Weingut als Arbeitgeber?

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