Steiermark · Wein News

Frauen in Führung: Was Weingüter aus dieser Folge mitnehmen

In Folge 32 von „Der letzte Schluck zum Feierabend" sprechen Michael Gehring und ich mit Stefanie Wiebeck über Frauen in Führungspositionen der Hospitality-Branche. Das Gespräch dreht sich um Hotels und Gastronomie. Ich schreibe diese Einordnung trotzdem, weil die Mechanik im Weingut dieselbe ist, nur weniger sichtbar: Auch hier entscheidet oft nicht die Kompetenz darüber, wer als Führungskraft wahrgenommen wird.

Ich sage gleich dazu: In der Folge geht es nicht um Wein. Wer eine weinfachliche Episode sucht, ist bei Folge 30 über Bio-Weinbau besser aufgehoben. Diese Folge ist eine Personalfolge. Und Personal ist in den meisten Weingütern, mit denen ich arbeite, das Thema, das am längsten liegen bleibt.

Die Frau, die den Betrieb führt und trotzdem nicht auf der Website steht

Weingüter sind fast immer Familienbetriebe. In sehr vielen davon liegen Vinothek, Verkauf, Buchhaltung, Personal und der gesamte Gästekontakt bei einer Frau, während nach außen der Winzer kommuniziert wird. Das ist selten böse Absicht, es ist gewachsen. Der Effekt ist aber real: Wer nicht sichtbar ist, wird auch nicht als Ansprechpartnerin, als Nachfolgerin oder als Entscheiderin wahrgenommen. Werfen Sie einmal einen Blick auf Ihre eigene Über-uns-Seite und zählen Sie nach, wie viel Raum dort tatsächlich die Person bekommt, die das Tagesgeschäft trägt.

Warum die Frage nach der Familienplanung immer noch mitläuft

Stefanie Wiebeck spricht im Gespräch offen darüber, dass eine mögliche Schwangerschaft bei Einstellungsentscheidungen in der Praxis eine Rolle spielt. Kein Betrieb sagt das laut, gedacht wird es trotzdem. Für ein Weingut mit fünf oder acht Mitarbeitenden wiegt diese Überlegung sogar schwerer als für ein Hotel mit achtzig, weil dort jeder Ausfall sofort spürbar ist. Genau deshalb lohnt es sich, ehrlich hinzusehen: Wer aus Angst vor einer Lücke die fachlich beste Bewerberin übergeht, kauft sich kurzfristig Ruhe und verliert langfristig die Person, die den Betrieb weitergebracht hätte.

Ein kleiner Betrieb kann sich Fehlbesetzungen noch weniger leisten als ein großer. Umso teurer ist es, nach etwas anderem als nach Kompetenz zu entscheiden.

Was ein Weingut als Arbeitgeber konkret ändern kann

Das Gespräch bleibt an dieser Stelle nicht bei der Diagnose stehen, sondern fragt, was ein Betrieb tatsächlich verändern kann, damit Kompetenz den Ausschlag gibt. Für Weingüter heißt das aus meiner Sicht vor allem drei Dinge:

  • Zuständigkeiten benennen, statt sie stillschweigend zu verteilen. Wer Vinothek und Verkauf verantwortet, soll das auch auf Website, Visitenkarte und in der Signatur tragen
  • Vertretungsregelungen vorab festlegen, damit ein Ausfall keine Existenzfrage ist und niemand deshalb bei der Einstellung nach dem Lebensalter schielt
  • Weiterbildung nicht nur dem Kellerteam anbieten. Wer im Verkauf steht, entscheidet über den Umsatz, und wird trotzdem am seltensten geschult. Mehr dazu unter Mitarbeiterschulung für den Vinothek-Verkauf

Folge 32 in voller Länge

Die vollständige Episode mit Stefanie Wiebeck, Michael Gehring und mir dauert rund 55 Minuten und ist auf Spotify sowie den übrigen gängigen Plattformen zu hören. Die Einordnung aus Sicht der Hotellerie und Gastronomie finden Sie auf hotelsuccess.cc/podcast, der Hauptseite unseres gemeinsamen Podcasts.

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