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KI im Weinbau: Was Bodendaten, Prognosen und Erntetermin für Winzer bedeuten

In Folge 33 von „Der letzte Schluck zum Feierabend" sprechen Michael Gehring und ich über künstliche Intelligenz im Weinbau. Kein Zukunftsversprechen, sondern die nüchterne Frage, welche Entscheidungen im Weingarten heute schon besser werden, wenn Daten mitreden. Für Hoteliers ging es in der Folge vor allem um Weinkarte und Einkauf. Für Winzer geht es um etwas Direkteres: um die eigene Arbeit zwischen Rebzeile und Presse.

Die Diskussion über KI im Weinbau läuft meistens falsch herum. Sie beginnt beim Werkzeug und endet bei der Frage, ob Technik das Handwerk ersetzt. Diese Frage ist bequem, weil sie sich mit einem klaren Nein beantworten lässt. Sie geht nur am eigentlichen Punkt vorbei. Ein Weingut entscheidet jedes Jahr hunderte Male, und viele dieser Entscheidungen fallen auf Basis von Erfahrung, Wetterbericht und Bauchgefühl. Genau dort setzt Datenauswertung an, nicht beim Winzer selbst.

Bodendaten machen sichtbar, was die Rebzeile ohnehin weiß

Feuchtigkeit, Temperatur, Nährstoffversorgung: ein erfahrener Winzer liest das aus dem Bestand, aber immer punktuell und immer im Nachhinein. Sensordaten liefern dasselbe Wissen flächig und laufend. Der Gewinn ist nicht die Erkenntnis, sondern der Zeitpunkt. Wer zwei Wochen früher sieht, dass eine Parzelle anders reagiert als der Rest, kann noch reagieren statt später zu erklären. Für Weingüter mit verstreuten Lagen ist das der Unterschied zwischen einheitlicher Behandlung und Behandlung nach Bedarf.

Krankheitsprognosen sind der Punkt, an dem sich das Thema rechnet

Peronospora und Oidium sind keine Überraschung, sie sind ein Wettlauf. Prognosemodelle verschieben den Startpunkt dieses Wettlaufs nach vorne. Wer weiß, dass der Infektionsdruck in drei Tagen steigt, spritzt gezielt statt vorsorglich. Weniger Durchfahrten, weniger Mittel, weniger Bodenverdichtung. Für Betriebe, die auf biologische Bewirtschaftung setzen, ist das kein technisches Detail, sondern die Voraussetzung dafür, den eigenen Anspruch auch in schwierigen Jahren zu halten. Wie sich so eine Haltung erzählen lässt, habe ich im Beitrag zu Bio-Weinbau als Positionierung beschrieben.

Daten treffen keine Entscheidung. Sie verkürzen nur die Zeit zwischen dem, was im Weingarten passiert, und dem Moment, in dem der Winzer davon erfährt.

Beim Erntezeitpunkt hört die Rechnung auf

Zucker, Säure, phenolische Reife: das lässt sich messen und modellieren. Wann ein Wein den Charakter bekommt, den ein Weingut haben will, lässt sich nicht modellieren. Das ist eine Stilentscheidung, und sie gehört zum Betrieb, nicht zum Algorithmus. Wer diese Grenze klar zieht, kann Technik einsetzen, ohne die eigene Handschrift zu verlieren. Wer sie verwischt, produziert am Ende korrekten, aber austauschbaren Wein.

Womit ein Weingut anfangen kann

  • Eine Lage auswählen, die regelmäßig Probleme macht, und dort ein Jahr lang messen, statt gleich den ganzen Betrieb auszustatten
  • Prognosedaten zuerst neben der eigenen Einschätzung führen und vergleichen, bevor daraus Arbeitsanweisungen werden
  • Festhalten, welche Entscheidungen bewusst beim Menschen bleiben, allen voran Erntezeitpunkt und Ausbau
  • Die Ergebnisse dokumentieren, denn eingesparte Durchfahrten sind ein Argument gegenüber Kunden und im Gespräch mit dem Handel

Folge 33 zum Nachhören

Das vollständige Gespräch mit Michael Gehring und mir, inklusive der Frage, was das alles für Weinkarte, Einkauf und Produzentengespräche in der Hotellerie bedeutet, gibt es direkt zur Episode auf Spotify sowie auf allen gängigen Podcast-Plattformen. Alle Folgen und die Einordnung aus Sicht der Hotellerie finden Sie auf hotelsuccess.cc/podcast, der Hauptseite unseres gemeinsamen Podcasts.

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