No-Show: wenn der reservierte Platz leer bleibt, auch am Weingut
No-Shows gelten als Gastronomiethema. Wer am Weingut Verkostungen, Kellerführungen oder Vinothekstermine anbietet, kennt sie aber genauso gut. Diese Folge nimmt sich das Thema ohne Empörung vor: Warum Menschen nicht erscheinen, was in der Praxis dagegen wirkt, und wo eine Regel dem Betrieb mehr schadet als der ausgefallene Termin.
Ein Tisch fuer sechs Personen, seit zwei Wochen reserviert, und um zwanzig Uhr bleibt er leer. In der Gastronomie ist das ein Ärgernis mit klarem Preis. Am Weingut sieht es anders aus, tut aber genauso weh: Die Verkostung ist vorbereitet, die Flaschen sind geöffnet, jemand hat den Samstagnachmittag freigehalten, und die angemeldete Gruppe taucht nicht auf.
Warum Weingüter von No-Shows härter getroffen werden als sie denken
In einem Restaurant lässt sich ein Tisch mit etwas Glück noch einmal vergeben. Eine Kellerführung oder eine geführte Verkostung lässt sich das nicht. Der Termin ist der Termin, die geöffneten Weine sind offen, und die Arbeitszeit ist verbraucht. Dazu kommt der Teil, den man selten mitrechnet: Wer zur Verkostung nicht erscheint, kauft auch nicht ab Hof, nimmt keine Kiste mit und kommt im nächsten Jahr nicht wieder. Der entgangene Umsatz ist damit deutlich grösser als die zwei Stunden im Kalender.
Was in der Praxis hilft
Michael Gehring und ich sprechen in dieser Folge darüber, was gegen No-Shows wirklich wirkt und was nur nach Lösung aussieht. Die kurze Fassung: Eine Erinnerung zwei Tage vorher holt einen grossen Teil der Vergesslichen zurück. Eine klare, freundlich formulierte Absageregel nimmt der Sache die Peinlichkeit, denn viele melden sich nicht ab, weil sie sich schämen, nicht weil es ihnen egal ist. Und bei Gruppen ab einer gewissen Grösse ist eine Anzahlung oder eine hinterlegte Karte kein Misstrauen, sondern normale Planung. Wer das ruhig und selbstverständlich kommuniziert, verliert damit keine Gäste.
Der Ton entscheidet
Der Punkt, der uns im Gespräch am wichtigsten war: No-Shows sind selten böse Absicht. Wer seine Gäste behandelt, als wären sie potenzielle Vertragsbrecher, gewinnt vielleicht ein paar Stornogebühren und verliert die Stimmung, für die Menschen an ein Weingut fahren. Die Betriebe, die das Thema im Griff haben, arbeiten mit Verbindlichkeit statt mit Drohung. Sie sagen freundlich, was ein Termin bedeutet, sie erinnern rechtzeitig, und sie machen das Absagen so einfach wie möglich.
Folge 36 zum Nachhören
Das Gespräch mit Michael Gehring und mir dauert rund 42 Minuten und ist direkt als Episode auf Spotify sowie auf den übrigen gängigen Plattformen zu hören. Alle Folgen und die Einordnung aus Sicht der Hotellerie finden Sie auf hotelsuccess.cc/podcast, der Hauptseite unseres gemeinsamen Podcasts.
Wie verbindlich sind Ihre Termine?
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