Von Absolventen zu Gastronomen
In Folge 8 von „Der letzte Schluck zum Feierabend" sprechen Michael Gehring und ich über den Weg von der Ausbildung in die eigenständige unternehmerische Verantwortung. Für Absolventen der Gastronomie ist das eine Frage der Karriere. Für Winzerfamilien ist es eine Frage, die noch näher geht: die Übergabe des Weinguts an die nächste Generation.
Der Sprung von der Ausbildung ins eigene Unternehmen ist selten ein einzelner Moment. Er ist ein Prozess, in dem sich Handwerk und unternehmerisches Denken langsam die Waage halten müssen. Bei der Hofnachfolge am Weingut ist dieser Prozess noch enger verknüpft, weil das Handwerk, der Weinbau, meist schon über Generationen im Betrieb verankert ist, das unternehmerische Denken aber jede Generation neu erlernen muss.
Handwerk allein reicht nicht mehr
Wer ein Weingut übernimmt, übernimmt in erster Linie eine fachliche Tradition: Rebsorten, Boden, Kellerarbeit. Diese Kompetenz ist die Grundlage, aber nicht mehr der ganze Betrieb. Positionierung, Preisgestaltung, Sichtbarkeit im Internet, Kundenkommunikation, all das gehört heute genauso zur Führung eines Weinguts wie die Arbeit im Weinberg. Wer als Nachfolger nur das Handwerk mitbringt, aber nicht das unternehmerische Denken, tut sich in einem zunehmend umkämpften Markt schwer.
Marketing-Wissen als Teil der Ausbildung
Genau hier liegt eine Lücke, die viele Weingüter erst spät bemerken: Die klassische weinbauliche Ausbildung vermittelt selten das nötige Rüstzeug für Marketing und Vertrieb. Wer die Übergabe frühzeitig plant, sollte diesen Teil bewusst mitdenken, sei es durch gezielte Weiterbildung, durch externe Beratung oder durch die enge Zusammenarbeit mit der übergebenden Generation, die oft über wertvolles implizites Wissen über Kunden und Region verfügt.
Übergabe als doppelter Prozess
Eine gute Hofnachfolge ist deshalb ein doppelter Prozess: Weitergabe des Handwerks und gleichzeitig Aufbau neuer unternehmerischer Kompetenzen. Beides gelingt selten im Alleingang. Kleinere Weingüter tun sich hier oft leichter, wenn sie die Übergabe nicht als einmaligen Schnitt, sondern als mehrjährige, begleitete Phase verstehen, in der neue Ideen der Nachfolger auf bewährte Erfahrung der Vorgänger treffen dürfen. Mehr zu den besonderen Herausforderungen kleiner Betriebe unter Für kleine Weingüter.
Ein Weingut zu übernehmen heißt nicht nur, Reben und Keller zu erben. Es heißt, eine unternehmerische Verantwortung anzunehmen, die erst noch gelernt werden muss.
Was das für die Hofübergabe bedeutet
- Planen Sie die Hofübergabe als mehrjährigen Prozess, nicht als einmaligen Stichtag
- Bauen Sie unternehmerisches Wissen, Marketing und Vertrieb, gezielt neben dem weinbaulichen Handwerk auf
- Nutzen Sie das implizite Kundenwissen der übergebenden Generation aktiv, statt es nur beiläufig weiterzugeben
Folge 8 vollständig hören
Die vollständige Episode mit Michael Gehring und mir gibt es auf Spotify und den anderen gängigen Plattformen. Eine ausführliche Einordnung aus Sicht der Gastronomie-Karriere finden Sie im Originalartikel auf hotelsuccess.cc/podcast, der Hauptseite unseres gemeinsamen Podcasts.
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