Gastgeber oder Manager: was Ihr Weingut wirklich braucht
Im Hotel gibt es manchmal noch die Trennung: vorne der Gastgeber, hinten der Controller. Am Weingut sind Sie beides in einer Person, oft am selben Abend. Diese Folge hilft, klarer zu sehen, welche Seite wann gefragt ist.
Folge 41 stellt eine Frage, die in der Hotellerie gerade viel diskutiert wird: Was braucht ein Betrieb an der Spitze, jemanden, der Gäste spürt und Atmosphäre trägt, oder jemanden, der Zahlen liest und Entscheidungen trifft? Michael Gehring kennt beide Typen aus vierzig Jahren Praxis. Ich kenne die Frage aus einem anderen Winkel, denn am Weingut stellt sie sich genauso, nur selten so klar formuliert.
Beides gleichzeitig, jeden Tag
Im Hotel können Gastgeber und Manager zwei verschiedene Menschen sein. Am Weingut meistens nicht. Sie öffnen morgens die Vinothek, empfangen am Nachmittag eine Gruppe, schreiben abends die Rechnung und planen am Wochenende die nächste Lese. Das ist keine Ausnahme, das ist der Normalfall im Familienbetrieb. Diese Doppelrolle kostet Kraft, wenn man nicht weiss, wann man welche Seite zeigen soll.
Gastgeber ist keine Weichheit
Michael Gehring sagt in dieser Folge etwas, das ich so noch nicht gehört hatte: Gastgeber sein ist eine Entscheidung, keine Eigenschaft. Man kann es lernen, üben und auch ausschalten, wenn es gerade nicht gefragt ist. Wer beim Gast ist, ist Gastgeber. Wer die Kalkulation macht, ist Manager. Das klingt nach Theorie, aber die Unterscheidung hilft in der Praxis mehr als man denkt.
Wann schaden Manager-Reflexe dem Weingut
Es gibt Momente, in denen der Controller-Modus das Falsche ist. Wenn ein Gast beim Verkosten unsicher wird, ob er kaufen soll, ist eine Preisargumentation das Letzte, was hilft. Was hilft, ist Interesse, eine Geschichte, ein zweites Glas. Wer in solchen Momenten sofort in die Verkaufslogik wechselt, verliert nicht die Flasche, er verliert den Gast. Ich habe das oft beobachtet, bei anderen und bei mir selbst.
Wann schadet Gastgeber-Haltung dem Betrieb
Umgekehrt gibt es Momente, in denen zu viel Gastgeberenergie schadet: beim Jahresgespräch mit dem Grosshändler, beim Verhandeln von Konditionen, beim Entscheid über eine Investition. Wer dort nur freundlich ist und keine Zahlen kennt, gibt Spielraum ab. Die Fähigkeit, zwischen beiden Modi zu wechseln, ist das, was Michael Gehring in dieser Folge als Schlüsselkompetenz beschreibt.
Folge 41 zum Nachhören
Das Gespräch mit Michael Gehring dauert rund 48 Minuten und ist auf Spotify sowie auf den übrigen gängigen Plattformen zu hören. Alle Folgen und die Einordnung aus Sicht der Hotellerie finden Sie auf hotelsuccess.cc/podcast, der Hauptseite unseres gemeinsamen Podcasts.
Welche Rolle braucht Ihr Weingut gerade?
Im kostenlosen Strategiegespräch schauen wir uns an, wo Sie als Gastgeber stark sind und wo Sie als Manager klarer werden könnten.
Strategiegespräch anfragenWeiterlesen